Regenschirme als Eyecatcher

In: Trends

20 Dez 2009

„I’m singing in the rain, singing in the rain“ trällerte Gene Kelly in den 50ern im strömenden Regen und spazierte dabei wohlgemut mit seinem übergroßen, schwarzen Stockschirm über die überfluteten Straßen. Doch wer genau hinschaut, dem wird nicht entgehen, dass er schon nach kurzer Zeit beschließt, seinen Regenschirm zu schließen und sich urplötzlich dem Regen als Objekt der Berieselung opfert, um dann im angesagten Begossener-Pudel-Look zum Abendbrot zu erscheinen. Daheim wird’s dann halt wieder eine anständige Gardinen-Predigt vom wütenden Hausdrachen geben, unterlegt mit vorwurfsvollen Suggestivfragen wie „Mei, hast deinen Schirm wieder daheim liegen lassen?!“ – aber das ist dem guten Gene der ganze feucht-fröhliche Spaß eben wert.

Die großen Tüftler mögen nun wieder die irrwitzigsten Theorien erarbeiten, weshalb und warum zum Teufel Gene Kelly seinen Regenschirm schließt, wenn er ausnahmsweise schon mal einen dabei hat. Einige Zweifler vermuten dahinter womöglich eine Attrappe, einen Selbstverteidigungsschirm, der paranoide Spaziergänger respektive wehrlose Rentner dank Stahlstiel vor Bösewichten bewahrt und es potentiellen Handtaschenraub-Opfern alias Hausmütterchen erlaubt, große Sprüche wie „Geh weida, schleich dich, du Saubua, sonst mach ich Schaschlik aus dir!“ zu klopfen. Eine andere Theorie wird sich darum drehen, dass Gene die Gunst der Regenstunde einfach dazu nutzte, seine neu erworbene Gore-Tex-Jacke auf ihre Wasserdichtigkeit zu prüfen.

Tja, und dann gäbe es da noch eine moderne, modebezogenere Interpretation seines plötzlichen Gemütsumschwungs: Gene fällt in der Menge der anderen Regenschirm-Besitzer ganz bald auf, dass sein schwarzes Modell so langweilig und unstylisch ist, dass er lieber im Erdboden versinken oder pappnass werden wollte, als sich damit eine Sekunde länger auf der Straße zu zeigen. So ein farbenfroher, bunt bedruckter Regenschirm mit etwas benutzerfreundlicherem Griff wäre doch wirklich patentreif, muss ihm da wie aus heiterem Himmel aufgeleuchtet sein. Hätte sich unser damaliger Regentänzer ins Jahr 2009 beamen können, wäre ihm vor Begeisterung sicher die Kinnlade runtergefallen. Denn knapp 60 Jahre später turnt nicht nur eine Rihanna lasziv mit ihrem „Umbrellla“ durch die Gegend, es leuchtet uns eine endlose Palette von Regenschirmen entgegen, die wir in einem Jahr wohl alle gar nicht ausführen könnten, es sei denn es bestünde aus 365 Regentagen…

Egal ob verspielter Print, Karo-Design oder Ethno-Muster, mit den neuen Regenschirmen muss man sich gewiss nicht mehr verstecken und obendrein bringen sie auch noch etwas Farbe in den grau-nassen Alltag. Der absolute Schrei in der Regenmode ist die Kombination mit ebenfalls kunterbunten Gummistiefeln sowie stylischen Regencapes mit neuen Schnitten und Mustern (Nein, es handelt sich hierbei nicht mehr um die neongelben, reflektorverzierten Überwürfe Modell „Stülpe mich auch über deinen Schulranzen“!). Auf diese Weise neu eingerüstet sollte man eigentlich trotz sieben Tage Regenwetter nicht mehr finster dreinblicken müssen…

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