Platz da! Räumt den Weg frei für das neue It-Girl: Beth Ditto! Wer nun hinter diesem Namen einen anorektisch-bulimischen Abklatsch von Paris Hilton, Lindsay Lohan, Nicole Richie oder anderer nichts könnender Hungerhaken vermutet, der fehlt: Beth Ditto, Frontfrau der amerikanischen Post-Punk-Band „The Gossip“, bricht mit dem verbreiteten It-Girl-Klischee.
Foto: 'Playingwithbrushe s' via Flickr, cc-Lizenz
Die selbst ernannte „fette Lesbe aus Arkansas“ verschmäht Achsel- und Beinrasur, ist allergisch gegen jedes Parfum außer Chanel No.5 und liebt es hauteng – auch wenn ihre Maße jenseits des 90-60-90-Ideals liegen. Eine wahrhaftige Antithese zu den sonst so begehrten Magermodels also, und bestimmt auch ein überdimensionaler Dorn im Auge von Catwalk-Regentin Heidi Klum. Ob es die üppige Punk-Göre mit „Sisterhood“-Arschgeweih und ihrem asymmetrischem Haarschnitt bei Germany’s Next Topmodel wohl in den Recall schaffen würde? Ihr Urteil könnte etwa derart lauten: „Beth, du bist ein wunderhübsches, nettes Mädchen, aber leider endet dein Weg hier: 95 Kilo bei einer Körpergröße von 1,55 m sind leider zu viel Ballast!“ Ups, da hat wohl jemand zu tief in die Tüte voll leckerer Katjes Joghurt-Gums gelangt, wo die doch 0 % Fett haben! Noch schnell wirft ihr Heidi ein Küsschen zu und dann Tschüsschen…
Ein Glück, dass Beth Ditto sich wohl eher den mit „Mama“ tätowierten Arm abhacken würde, als auf Heidis Catwalk im Bikini herum zu staksen und sich von Herzenssöhnchen Bruce beweinen zu lassen. In XXL-Designerroben kann sie sich schließlich auch ohne Frau Klums Hilfe kleiden, wozu hat man denn gute Spezln wie Karl Lagerfeld oder Stella McCartney, die ihr die Luxusfummel auf den knapp 2 Zentner-Leib schneidern.
Ob Paillettenkleid, pinkes Luella-Tutu oder Zebra-Robe: Hauptsache hauteng und megaauffällig! Auch wenn sie Missy Elliot aufgrund ihres „Müllsack“-Styles bewundert, kaschierenden Outfits wird der Zugang zu Beths Kleiderschrank verwehrt.
Denn laut eigenen Angaben ist Beth Dittos Beitrag zur Mode derjenige, dass sie „sichtbar“ ist. Oh ja, da hat sie wohl recht, denn man müsste wahrlich die Augen verschließen, wollte man ihrem Anblick weichen – die omnipräsente Beth Ditto springt nunmehr nicht nur in roten, nach Kaugummi riechenden Gummiballerinas von Vivenne Westwood auf der Punk-Bühne herum, sie frequentiert mittlerweile auch Rote Teppiche, Fashion-Shows als Zuschauerin in der Front Row und sogar Hochglanzmagazine. Ja, ganz richtig gelesen, kürzlich präsentierte sich die 28-Jährige selbstbewusst in aller Leibesfülle und splitternackt (bis auf wegretuschierte Brustwarzen) auf dem Cover des englischen Magazins „Love“ – und schart nun noch mehr Bewunderer hinter sich. Kurzerhand folgten Nominierungen als „Coolest Person in Rock“ und „Sexiest Woman of The Year“ durch die britische Popgazette „NME“.
Werden Magermodels etwa bald durch übergewichtige Beth Ditto-Klone ersetzt? Wird es in absehbarer Zeit dank Beth Ditto auch Shops mit Designerroben in XXL-Größe geben? Eher unwahrscheinlich. Denn Beth Ditto wird nicht nur dank ihrer Pfunde als neue Stilikone gehandelt, auch ihre Wandlungsfähigkeit und ihr Mut, sich bei ihrer Figur in hautengen Kleidern zu präsentieren, verhalfen ihr sicherlich dabei. Ob hinschauen oder wegschauen – das ist jedem selbst überlassen.
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